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Wenn Gewicht zur Nebensache wird

Praxistest von Bremsassistenten – auch bekannt als Vorschaltwiderstände – in der Naturfreunde-Kletterhalle Wien: Wie moderne Systeme die Sturzenergie regulieren und das Sichern erleichtern.

 Text: Christoph Steiner, B. Sc., staatlich geprüfter Instruktor für Sportklettern und Leiter der Climbing Academy Vienna, Sebastian Eichholzer, staatlich geprüfter Instruktor für Sportklettern, beide Naturfreunde Österreich, Fotos: Ed Eisner, Max Vintschgau

 

Im Herbst 2025 wurden in der Naturfreunde-Kletterhalle Wien vier Bremsassistenten auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Diese Geräte sollen das Sichern spürbar erleichtern, wenn zwischen der kletternden und der sichernden Person ein deutlicher Gewichtsunterschied besteht. Ziel des Tests war es, Unterschiede im Sturzverhalten und in der Sicherungsdynamik unter realistischen Bedingungen sichtbar zu machen. Getestet wurden die vier marktgängigen Modelle Edelrid Ohm², Edelrid Ohmega, raed climbing ZAED und Mammut Assist.

 

 

Das Funktionsprinzip

Bremsassistenten werden anstelle der ersten Expressschlinge eingehängt und erhöhen durch ihre Konstruktion die Reibung im System – etwa durch eine spezielle Geometrie oder über Bremsnocken. Dadurch wird bei einem Sturz oder beim Ablassen die auf die sichernde Person wirkende Kraft reduziert.

Die Geräte unterscheiden sich jedoch deutlich in der Art und Stärke ihrer Bremswirkung. Modelle mit einstellbaren Stufen ermöglichen eine Anpassung an Gewichtsunterschiede, Gegebenheiten und individuelles Sicherungsverhalten.

 

  

Testaufbau und Vorgehen

Um vergleichbare Bedingungen zu schaffen, wurde zunächst ein rund 60 kg schwerer Gewichtssack verwendet – als konstante Simulation einer kletternden Person. Die Bremsassistenten wurden jeweils am ersten Haken montiert.

Diese einheitlichen Testbedingungen machten Unterschiede in der Bremscharakteristik klar erkennbar. Durch den Einsatz des Gewichtssacks konnten die Geräte zudem von zwei staatlich geprüften Naturfreunde-Sportkletterinstruktoren unter identischen Voraussetzungen (gleiche Sturzhöhe, Schlappseil, Position der sichernden Person etc.) rasch und wiederholbar getestet werden.

Im anschließenden Praxistest folgte die realitätsnahe Anwendung: Eine leichtere Person (70 kg) sicherte eine schwerere Person (85 kg). Der Sturz erfolgte am sechsten Haken, etwa einen Meter über der letzten Expressschlinge – eine Situation, die in der Halle häufig vorkommt.  

 

Die Testergebnisse im Überblick

 

Edelrid Ohm²

Das Ohm² zeigte im Test eine sehr starke, zuverlässige Bremswirkung. Allerdings wurden Stürze abrupt gebremst – für feinfühliges, aktives Sichern ist es nicht geeignet. Als sehr praktisch zeigte sich das eingebaute Drehwirbelgelenk, welches das Einhängen des Geräts in den ersten Haken vereinfacht.

 

Edelrid Ohmega

Das Ohmega überzeugte mit dem variabel einstellbaren Bremswiderstand. Auf Stufe 1 bot es eine gelungene Kombination aus Bremsunterstützung und Dynamik. Auf Stufe 3 waren Stürze etwas gedämpfter, aber weiterhin dynamisch und kontrollierbar.

 

raed climbing ZAED

Das ZAED hat ebenfalls einen variabel einstellbaren Bremswiderstand und zeigte ein sehr ähnliches Verhalten wie das Ohmega. In den höheren Stufen (2 und 3) ließ das ZAED im Vergleich zum Ohmega jedoch geringfügig mehr Spielraum für dynamischeres Sichern zu.

 

Mammut Assist

Der Mammut Assist verhielt sich insgesamt ähnlich wie Ohmega und ZAED. Die Bremsunterstützung war klar spürbar, ohne die Dynamik zu stark zu beeinträchtigen. Zwischen Stufe 1 (Karabinermontage) und Stufe 2 (Montage über Expressschlinge) zeigte sich nur ein geringer Unterschied – das Fangverhalten blieb in beiden Fällen weich und gut dosierbar.

 

  

Fazit: Drei Modelle überzeugen

Beim Kompensieren von Gewichtsunterschieden überzeugen alle Geräte. Die neueren Geräte ZAED, Ohmega und Mammut Assist lassen auch bei großen Gewichtsunterschieden ein kontrolliertes dynamisches Sichern zu. Die sichernde Person sollte sich dabei wie beim Sichern gleichschwerer Partner*innen verhalten: also entweder geräte- und/oder körperdynamisch. Natürlich nur, solange es die Situation zulässt!

 

Vor allem Ohmega und ZAED bieten dank einstellbarer Stufen ein Finetuning der Bremsassistenz – ein deutlicher Vorteil.

Weitere Informationen

Kontakt

Naturfreunde Österreich

Sicherungsbroschüre der Naturfreunde Österreich

Der Markt für Sicherungsgeräte im Sportklettern entwickelt sich laufend weiter. Jedes Gerät funktioniert unterschiedlich und erfordert eine präzise Kenntnis seiner Handhabung. Die demnächst erscheinende aktualisierte Sicherungsbroschüre der Naturfreunde Österreich dient als praxisnahe Orientierungshilfe und zeigt, wie Sicherungsgeräte korrekt verwendet werden. Ziel ist nicht der Vergleich einzelner Modelle, sondern die richtige Bedienung in den Mittelpunkt zu stellen – denn jedes Sicherungsgerät ist nur so sicher, wie es bedient wird.

 

Die kostenlose Broschüre wird in allen Naturfreunde-Kletterhallen aufliegen und über das Sportkletterreferat bestellt oder über die Naturfreunde-Website downgeloadet werden können

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