Text: Martin Edlinger, staatlich geprüfter Berg- und Schiführer, Leiter der Abteilung Bergsport & Schitouren bei den Naturfreunden Österreich, Fotos: Luke Jarmey
Auch wenn Wandern oft als „einfach“ wahrgenommen wird, zeigt die Praxis ein anderes Bild: Am häufigsten wird die Bergrettung im alpinen Gelände gerufen, weil sich Personen beim Wandern verirrt oder verstiegen haben. Gerade bei schlechter Sicht, Wetterumschwüngen oder unzureichender Tourenplanung kann es rasch zu einem Orientierungsverlust kommen. In Kombination mit Kälte oder einer Verletzung kann sich die Situation schnell zuspitzen. Jährlich kommt es in Österreich im alpinen Gelände zu mehreren hundert Suchaktionen nach vermissten Personen – eine der anspruchsvollsten Aufgaben für Einsatzkräfte.
Solche Einsätze gleichen oft der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Je weniger Informationen über den Aufenthaltsort vorliegen, desto größer wird das Suchgebiet und desto aufwendiger gestaltet sich die Suche. Neben klassischen Methoden wie der systematischen Flächensuche durch Rettungskräfte und dem Einsatz speziell ausgebildeter Suchhunde werden zunehmend auch technische Hilfsmittel herangezogen. Suchhunde leisten mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten bei Suchaktionen einen unverzichtbaren Beitrag und kommen sowohl in alpinem Gelände als auch bei großflächigen Vermisstensuchen zum Einsatz.
Neben der Handypeilung hat sich in den letzten Jahren folgende Technologie als wertvolle Ergänzung etabliert: radarbasierte Ortungssysteme, wie sie beispielsweise im RECCO-System eingesetzt werden. Ursprünglich von der Lawinenverschüttetensuche bekannt, wurde diese Technologie weiterentwickelt und kann heute ganzjährig zur Personensuche eingesetzt werden. Dafür wird ein RECCO-SAR-Detektor unter einem Hubschrauber montiert, um damit große Flächen systematisch absuchen zu können. In Österreich werden RECCO-SAR-Detektoren in der Zusammenarbeit zwischen Flugpolizei und Bergrettung eingesetzt.
Im Vergleich zu bodengebundenen Suchmethoden lassen sich mit diesen Detektoren innerhalb kurzer Zeit große Gebiete effizient erfassen: Ein Quadratkilometer Gelände kann in wenigen Minuten abgesucht werden – ein entscheidender Zeitvorteil im Ernstfall, vor allem in unwegsamem Gelände.
Das technische Prinzip basiert auf einem passiven Reflektorsystem: Kleine in die Bekleidung oder Ausrüstung integrierte Reflektoren verdoppeln das ausgesendete Signal des Detektors und machen Personen für die Suchgeräte auffindbar. Die Reflektoren benötigen keine Energiequelle, sind wartungsfrei und funktionieren dauerhaft. Inzwischen werden sie nicht nur in Wintersportausrüstung, sondern vermehrt auch in Sommerbekleidung sowie in Ausrüstungsgegenstände wie Rucksäcke, Helme oder Schuhe integriert. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Bekleidung und Ausrüstungsgegenstände selbst mit Reflektoren zu versehen. Trägt man mehrere Reflektoren, erhöht man die Chance, schnell geortet zu werden.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Technologie liegt in ihrer Einfachheit: Da keine Aktivierung der Reflektoren erforderlich ist, wirken sie auch, wenn man nicht mehr handlungsfähig ist.
Derartige Ortungssysteme stellen also eine wertvolle Unterstützung für die Einsatzkräfte dar und können im Ernstfall entscheidend dazu beitragen, vermisste Personen schneller zu lokalisieren. Sie ersetzen jedoch keinesfalls Eigenverantwortung: Um sich möglichst sicher und risikobewusst im alpinen Gelände bewegen zu können, braucht man eine entsprechende Ausbildung und Erfahrung. Gerade beim Wandern ist eine zeitgerechte und sorgfältige Tourenplanung - etwa mit dem Naturfreunde-Tourenportal (tourenportal.at) - der Schlüssel für eine gelungene Unternehmung.
Reflektoren günstig zu bestellen
Da nicht alle Outdoorkleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände mit RECCO-Reflektoren ausgestattet sind, gibt es Reflektoren, die man an Helmen und Rucksäcken selbst befestigen kann.
Naturfreunde-Mitglieder können solche Reflektoren über den RECCO-Onlineshop mit 30 Prozent Rabatt beziehen: Bitte bei der Bestellung den Promocode „NATURFREUNDE30“ eingeben.