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Gefahren beim E-Biken

E-Bikes boomen in ganz Österreich. Sie stehen für Umweltfreundlichkeit und bequemes Radeln. Doch das Fahren mit E-Bikes birgt auch viele Risiken. Sebastian Obrecht vom ARBÖ Wien hat für den „Naturfreund“ einige wichtige Punkte zusammengefasst.

Bei Tempo 25 beträgt der Bremsweg 13,75 m. So schnell dürfen per Gesetz Elektrobikes fahren. Bei 25 km/h schaltet sich der Motor automatisch ab. Da man diese Geschwindigkeit mit E-Bikes ohne große Kraftanstrengung erreicht, erleben diese seit geraumer Zeit einen wahren Boom. Mountainbike-Strecken, die einen ohne E-Bike gnadenlos „abwerfen“, sind plötzlich zu schaffen. Ältere Personen können auch weite Strecken auf zwei Rädern zurücklegen, ohne aus der Puste zu kommen. Und vor Business-Terminen entfällt die „Cool-Down“-Phase. Dafür geben viele auch gern mal das Vier- bis Fünffache wie für ein herkömmliches Fahrrad aus. Hersteller und Fahrradfachhandel jubeln: 2016 wurden 80.000 E-Bikes gekauft. Tendenz weiter steigend.

 

Somit alles eitel Wonne?

Mitnichten! Den zweifelsohne positiven Aspekten wie Umweltverträglichkeit und Bewegung an der frischen Luft stehen die Unfallzahlen gegenüber. Allein im Jahr 2016 verunfallten laut Kuratorium für Verkehrssicherheit 3700 E-BikefahrerInnen - also rund zehn pro Tag - so schwer, dass sie im Spital behandelt werden mussten. Leider gibt es auch Unfälle (vor allem von älteren Personen) mit tödlichem Ausgang. Zum Vergleich: 2016 verunglückten in Österreich 3155 Menschen bei Alkoholunfällen und 3220 bei Unfällen auf einer Autobahn. Wenn die Zahl der E-Bike-FahrerInnen weiter zunimmt, ist auch mit einem weiteren Anstieg der Unfälle zu rechnen.

Die Hauptgründe für Unfälle mit einem E-Bike sind die höhere Geschwindigkeit und der damit verbundene längere Bremsweg sowie die andere Kurvendynamik. Radelt man mit 10 km/h, beträgt der Anhalteweg rund 5 m, bei 25 km/h muss man 13,75 m einplanen, also um rund 9 km mehr. Auf nassen Straßen, beim Transport von schwererem Ladegut oder wenn die Kraft nicht ausreicht, um mit den Händen die volle Bremswirkung zu erzielen, ist der Bremsweg sogar noch wesentlich länger.

Prallt man mit 25 km/h gegen ein Hindernis, kommt dies einem Sturz aus 2,5 m Höhe gleich. E-Bikefahrer sehen sich grundsätzlich als Fahrradfahrer, und diese unterliegen, so sie das 12. Lebensjahr vollendet haben, keiner Helmpflicht. Somit sind E-BikefahrerInnen, die keinen Helm tragen, völlig ungeschützt. Legt man sich ein E-Bike zu, sollte man sich daher mit diesem genau auseinandersetzen, sich langsam an das höhere Tempo herantasten und auf jeden Fall einen Helm tragen.

 

Die Naturfreunde Österreich und der ARBÖ bieten spezielle Ausbildungen für E-BikerInnen an, um das Verhalten im Notfall zu trainieren. Denn die genannten Unfallzahlen zeigen, dass es einen akuten Handlungsbedarf gibt.

 

S-Pedelecs sind Mopeds!

Die ARBÖ-Verkehrssicherheitsfachleute schlagen in Sachen E-Mobilität auch deshalb Alarm, weil sich der Markt ständig weiterentwickelt. Sogenannte S-Pedelecs sind Fahrräder mit Elektroantrieb, die schneller als 25 km/h fahren und mehr als 600 Watt haben. Diese sind somit keine Bikes mehr, sondern Mopeds. Sie müssen angemeldet werden, bekommen ein Kennzeichen und dürfen nur auf Verkehrsflächen für Kraftfahrzeuge verwendet werden. Die Lenkerin/der Lenker braucht eine gültige Lenkerberechtigung und muss einen entsprechenden Helm tragen.

S-Pedelecs erreichen ohne Probleme Geschwindigkeiten von 50 km/h und mehr. Die Gefährdung der BenutzerInnen steigt somit um ein Vielfaches.

 

Mittlerweile können auch E-Bikes, die rechtlich als solche gelten, schneller werden, indem man sie mit Tuning-Kits „aufmotzt“. Damit setzt man sich aber nicht nur einem höheren Unfallrisiko aus, sondern ist auch – so das Fahrzeug nicht angemeldet ist – ohne Versicherungsschutz unterwegs.

 

Text: Sebastian Obrecht, ARBÖ Wien, Fotos: Jochen Haar/Scott, Jose Berjaga/Scott

Sicherheitstage für E-BikerInnen

Die Naturfreunde Österreich veranstalten 2018/2019 in ganz Österreich Sicherheitsaktionen für E-BikerInnen.

 

Termine 2018

27. April: Kickoff, Ludersdorf/Steiermark, ARBÖ-Fahrsicherheitszentrum

01. Mai:   Dornbirn/Vorarlberg

05. Mai:   Alpenarena Villach/Kärnten

24. Mai:   Marktplatz Innsbruck/Tirol

27. Mai:   Mattersburg/Burgenland

21./22. Juni: Zell am See/Salzburg

23. Juni:  Wilhelmsburg/NÖ

26. Okt.:  Rathausplatz Wien

 

Oberösterreich: in Ausarbeitung

 

 

Weitere Informationen

E-Bike-Versicherung:

15 % Ermäßigung für Naturfreunde-Mitglieder

 

Die Wiener Städtische Versicherung bietet Naturfreunde-Mitgliedern eine Versicherung für Mensch und E-Bike und gewährt auf die Prämie 15 % Rabatt.

Leistungsumfang: E-Bike-Kasko-Versicherung (wahlweise Voll- oder Teilkasko) inkl. Haftpflicht-Schutz sowie optional erweiterbar um die Produkte E-Bike-Lenkerunfall-Versicherung, Privat- und Berufs-Rechtsschutz sowie Sonderklasse nach Unfällen bzw. Verkehrsunfällen

 

Weitere Infos: http://bit.ly/2ALFzRW

Aktionscode: Naturfreunde18

 

Diese Aktion gilt bis 31. Dezember 2018

Mit freundlicher Unterstützung von ARBÖ, Wiener Städtische Versicherung und Partnern aus der Radindustrie
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